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Eisbaden ist
ansteckend
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Anfang der 80er Jahre wurde mir als leidenschaftlicher Freiluftschwimmer
plötzlich bewusst, dass selbst mit Zähne zusammenbeißen nur
die Hälfte des Jahres Schwimmen in der Natur möglich ist. Da hörte
ich von den Berliner Seehunden, die sich das Badevergnügen das ganze
Jahr gönnen und auch nur Menschen sind wie ich. Somit wurde die Saison
1985/86 mein Einstieg in den ungetrübten Jahresspaß. Es war schon
irre, beim Skifahren nebenbei noch eine Runde schwimmen zu können. Am
Anfang war der Showgedanke natürlich beteiligt, aber der Riesenspaß
ist bis heute geblieben. Auch ohne Zuschauer, welche im Gegenteil später
manchmal der Grund waren, auf winterlichen Spaziergängen am Müggelsee
oder am Langen See die Badeoption schließlich doch nicht zu nutzen.
Ich bade, wenn mir der Sinn danach steht. Das ist meine ganz persönliche
Freiheit.
Für mich ist nach all den Jahren immer noch jeder Tag, an dem ich im
Eiswasser geschwommen bin, ein ganz besonderer Tag. Ein außergewöhnlicher
Höhepunkt war das Schwimmen zwischen Eisschollen in der Ostsee im Februar
1987. Gerade erst hatte mich der Wind zusammen mit einem einheimischen Eissegler
und Tochter Ines kreuz und quer über den Greifswalder Bodden befördert,
wir rasten einer schier unendliche Weite entgegen, das Ruckeln unter den Kufen
und das stellenweise dumpfe Dröhnen aus der Tiefe schuf eine innige Verbindung
zum eiskalten Element meiner Sehnsüchte. Es fehlte nur noch der Körperkontakt,
aber auch auf den brauchte ich nicht zu verzichten, denn in meiner damals
zweiten Eisbadersaison wusste ich schon, was mein Körper zu leisten vermag.
Gleich um die Ecke lockte die vereiste Ostsee mit ihren freien Wasserflächen
zwischen dicken Schollen. Was will man mehr?
Sicher kennt ihr meinen Lieblingsspruch: Es zieht den Grauschleier vom Gehirn.
Alle Jahre wieder, auch nach 20 Jahren. Kein Wunder, denn nichts anderes ist
mit dem Eisbaden vergleichbar.
Völlig platt war ich, als meine älteste Tochter Ines, die immer
für eine Überraschung gut ist, eines Tages verkündete, dass
sie mit mir mitkommt. Sie hatte das große Eisbaderglück, mit einem
extremen Kältewinter ihre 6jährige Schnupperkarriere zu beginnen.
"Was die große Schwester kann, das kann ich auch", dachte
Anja und folgte ihr ein Jahr später. Irgendwann verschoben sich die Prioritäten
der Kinder, sie klinkten sich aus, und plötzlich geschah das Unglaubliche:
Meine Frau wollte es nun auch wissen! Und sie scheint sogar Gefallen daran
zu finden, obwohl sie es die ganzen Jahre an meiner Seite nicht für möglich
gehalten hat. Und zu Hause wissen wir alle vier beim Thema Winterschwimmen,
wovon wir reden.