Die Eisbaderstory, erlebt und erzählt von Ines
Ein ganz alltäglicher Sonntag oder der
totale Wahnsinn
„Aufstehen !“ rief eine Stimme,
„Morgenstund hat Gold im Mund.“ Das erste was ich sah, als ich
mühsam meine schweren Augenlider öffnete,
war mein Vater in seinem neuesten Trainingsanzug. Keine zehn Minuten später
saßen wir schon im Auto, welches man leicht mit einer Tiefkühltruhe
verwechseln könnte. Es war jetzt punkt 9 Uhr. Nach einer halben Stunde Gnadenfrist
- noch nie war eine halbe Stunde so kurz - erreichten wir das Strandbad. Kaum
aus dem Auto ausgestiegen, schob mir jemand eine Axt
in die Hand. Nach einem freundlichen Klaps auf die Schulter wurde ich
in Richtung Eis geschoben. Im selben Moment wurde mir zum ersten Mal richtig bewußt,
worauf ich mich eingelassen hatte. Vor mir ein zugefrorener See. Mit zwei anderen
verrückten Leuten stellte ich mich auf´s
Eis und begann ein Loch zu hacken. Nach einigen Minuten gelang es den beiden anderen,
mit ihren Äxten bis zum Wasser vorzudringen - und das Wasser zu mir ! Nachdem
das Loch endlich groß genug und ich über und über mit Wasser bespritzt
war, lief sich meine kleine Schwester mit vielen anderen warm (Mir lief auch so
schon der Schweiß - vom Eishacken)...
Jetzt konnte ich endlich zeigen, wie mutig ich bin. Schnell schlüpfte ich
aus meiner Kleidung und erreichte als erste das Eisloch. Mit vollem Elan wollte
ich ins Wasser stürzen, aber dieser Elan verschwandt urplötzlich, als
mein großer Zeh mit der Wasseroberfläche in Berührung kam... Auf
dem Weg zurück stellte ich miit Entsetzen fest, daß die anderen jetzt
in´s Wasser wollten. Ich wurde durch die anrollenden
Massen zum Eisrand gedrängt. Nicht genug, daß zwei dicke
Damen mir die Sicht versperrten, nein eine Eisscholle schob sich mir in den Nacken.
Mein schlimmster Alptraum - Tod
durch Eisscholle - schien
wahr zu werden. Wie ich diese Minuten überlebt habe, weiß ich nicht,
doch zu meinem Glück schoben sich die Massen wieder zurück in Richtung
rettende Leiter. Endlich draußen, lief ich über´s Eis zu meinen
dort zurückgelassenen Badelatschen. Ich zog sie an und fiel promt auf die
Nase - festgefroren !
Jetzt kann nichts mehr schiefgehen, dachte ich. Leider hatte ich die Rechnung
ohne meine nasse Hose gemacht, deren Beine inzwischen zugefroren waren. Nachdem
ich diese Hürde genommen hatte, saß ich endlich stolz im Auto. Ich
hatte es geschafft ! Wer es auch einmal versuchen will, komme bitte sonntags 10
Uhr zum Orankesee. Ich bin dann auch wieder mit dabei.